Konferenz: “Zwischen Leben und Existenz. Nietzsche und der französische Existenzialismus”

Vom 31. Juli bis 2. August werde ich eine Konferenz mitveranstalten, die sich dem Thema “Nietzsche und der französische Existenzialismus” widmet, dem ich auch in meinem Links-Nietzscheanismus-Buch vertieft nachgehe. Für mich stellt die Nietzsche-Rezeption durch Figuren wie Sartre, Camus, Beauvoir und Fanon einen Sonderweg der Nachkriegsrezeption dar: Während man im deutschsprachigen Raum vor allem an die von der “ersten Generation” der Frankfurter Schule etablierte sozialpsychologische Nietzsche-Interpretation anknüpfte, folgte man in Frankreich der wesentlich von Georges Bataille und den Surrealisten begründeten Rezeptionslinie des “fröhlichen Nihilismus”. Beide Paradigmen haben eine klar anti-individualistische und anti-subjektivistische Schlagseite. Sartre und Co. hingegen knüpfen vor allem an den Nietzsche der individuellen Befreiung und des Subjektivismus an, den auch die erste Generation der Nietzsche-Rezipienten bis zum Ersten Weltkrieg für sich entdeckte. – Kein Wunder, dass sie dafür von fast allen anderen Vertretern des Links-Nietzscheanismus teils heftig kritisiert wurden.

Der Existenzialismus bleibt so eine geistesgeschichtliche Ausnahmeerscheinung. Die ersten zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war er eine der führenden geistigen Strömungen der Welt – heute ist er, wenigstens, was die akademische Philosophie angeht, eher ein Randphänomen. Ich denke jedoch, dass der Existenzialismus gerade in seiner Sperrigkeit einiges an Potential zu bieten hat für die Neukonzeption einer libertär-individualistischen Ethik des Widerstands für die Gegenwart. Liest man etwa Camus’ Der Mensch in der Revolte, seinen Aufsatz Das Europa der Treue oder Sartres Kritik des Antisemitismus, dann wird man die nach wie vor ungebrochene Aktualität und Tiefe ihrer Überlegungen kaum leugnen können.

Das Programm der Konferenz.

Man wird den fast 30 Vorträgen der Konferenz auch über Zoom folgen können.

Hierzu ist eine Anmeldung bei Susanne Rettenwander vom Nietzsche-Dokumentationszentrum in Naumburg erforderlich per E-Mail: rettenwander [at] friedrich-nietzsche-stiftung.de

Quelle des Beitragsbilds

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